Uetikon GmbH
Uetikon GmbH

Technologisch weltweit fit

Technologisch weltweit fit
LAHR. Heinz Sieger, Geschäftsführer der CU Chemie Uetikon GmbH an der Raiffeisenstraße, ist schon ein bisschen stolz auf das Geschaffene: Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit seinen rund 120 Mitarbeitern für 13 Millionen Euro die Produktion erweitert und darin neue Technik untergebracht, mit der man weltweit zu den fünf, sechs führenden Betrieben zählt. Die Anlage zur Wirkstoffproduktion ist damit mit vier vertikalen Produktionslinien vollständig ausgebaut und wird die Kapazität in diesem Sektor verdoppeln.

Die neue Produktionsanlage war im März 2002 zunächst in Betrieb genommen worden, damals hatte man 20 Millionen Euro ausgegeben. Ausgebaut worden war dabei nur die Hälfte der Anlage, im vergangenen Jahr wurde die zweite Hälfte für die 13 Millionen hinzugebaut. "Die Erweiterung wird im Frühjahr 2008 in Betrieb gehen, wir liegen gut im Zeit- und im Kostenplan" , betont Sieger. Was etwas heißen will, denn die Preise für Metalle insbesondere jene für Sonderstähle sind dramatisch angestiegen. Zu den Besonderheiten der neuen Technik zählt auch die Möglichkeit, Syntheseverfahren bis zu minus 90 Grad vornehmen zu können. Wer in Deutschland produziert und weltweit im Wettbewerb steht, wie die CU Chemie Uetikon, der kommt um allerbeste Qualität nicht herum. Die Zauberformel dafür heißt "Good Manufacturing Practise".

Ohne Prüfung durch die amerikanische
Arzneimittelbehörde FDA kein Export

Entsprechend diesen Herstellungsvorschriften wurden in der Vergangenheit in Deutschland und in Europa schon Medikamente von der Pharmaindustrie hergestellt. Seit Oktober 2005 erstrecken sich diese Vorschriften, umgesetzt im 14. Arzneimittelgesetz, auch auf die Herstellung von Wirkstoffen für Medikamente, wie sie Uetikon im Angebot hat. Als Eigenprodukt oder eben auf Anforderung von Kunden. "GMP geht weit über die ISO 9000 hinaus, es gibt keinen höheren Standard" , erläutert Sieger. CU Uetikon wird im übrigen zu den ersten Unternehmen in Baden-Württemberg zählen, die ein GMP-Zertifikat erhalten, weil man es sich schon früher von den staatlichen Aufsichtsbehörden so erbeten hat. Ohne Überwachung könnte CU Chemie Uetikon aber nicht exportieren: Ohne die amerikanische FDA (Food and Drug Administration), also die Arzneimittelbehörde, liefe auch bei Uetikon wenig. Die Amerikaner sind regelmäßig Gast und prüfen die Produktionsverfahren.

Die eigene Ausbildung sichert die Produktionsfähigkeit

Uetion hat in Lahr im vergangenen Jahr im übrigen noch weitere vier Millionen Euro in eine neue Wäscheanlage für Produktionsabluftströme ausgegeben. Dabei handelt es sich um eine Vorreinigung der Abluft. Die Hauptreinigung erfolgt thermisch, die gesamte Abluft wird bei etwa 1000 Grad verbrannt, so dass nur noch Wasserdampf und Kohlendioxid die Kamine verlassen. "Wir unterschreiten alle Grenzwerte nach dem Bundesimmissionschutzgesetz weit", hält Sieger fest.
Von den Bautätigkeiten abgesehen, ist das Jahr 2007 für die CU Chemie Uetikon gut gelaufen. "Wir werden bei Umsatz und Gewinn etwa auf dem Niveau von 2006 abschließen. Mehr war nicht drin, weil wir immer bis an unsere Kapazitätsgrenzen gegangen sind. Wir mussten deshalb am Standort Lahr wachsen, um zusätzliche Produktionskapazität zu gewinnen" , beschreibt Sieger die Situation. Die erweiterte Anlage beschert CU Chemie Uetikon einen Produktionszuwachs von 50 Prozent, auf das gesamte Werk bezogen sind es immer noch 20 Prozent. "Deshalb wollen wir 2008 auch einen deutlichen Sprung nach vorne machen, zweistellig" , gibt Sieger die Richtung vor.

Zu den 120 Mitarbeitern bei Chemie Uetikon zählen dauerhaft auch bis zu zehn Auszubildende in den Berufen Chemikant, Chemielaborant, Mechaniker, Feinmechaniker oder Elektroniker. "Das ist wichtig für uns, denn sonst finden wir für uns keine Spezialisten." Basel oder das Rhein-Main-Gebiet wären die nächsten Standorte von Chemieunternehmen.

Chemie Uetikon versteht sich als "Nischenplayer" , also als ein Unternehmen, das in jenem Bereich tätig ist, wo große Firmen kein Interesse haben. Etwa die Hälfte der angebotenen Wirkstoffe, Pharmazwischenprodukte oder Spezialchemikalien sind eigene Produkte von CU Uetikon, die zweite Hälfte wird auf Kundenanforderung hergestellt. Die gefertigten Mengen liegen einerseits im Grammbereich, andererseits können es auch schon mal einige Tonnen sein. Ein Großteil der 20 größten Pharmakonzerne der Welt lässt sich von CU Chemie Uetikon die Wirk- oder Grundstoffe liefern. Sie selber fertigen dann daraus ein fertiges Medikament. An der Raiffeisenstraße wird in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet.

Uetikon seit Ende 2006 auch in der Biotechnologie engagiert

Seit Ende des Jahres 2006 hält die CU Chemie Uetikon GmbH eine 80-prozentige Beteiligung an einem Unternehmen in Dublin, das eine Gründung der dortigen Dublin City University ist. "Wir waren auf der Suche nach einer weiteren Technologie und haben uns für die Biotechnologie entschieden" , berichtet Heinz Sieger. Zwischenzeitlich heißt das Zehn-Mann-Unternehmen BioUetikon Ltd. Dabei geht es um die Entwicklung von biotechnologischen Verfahren im Bereich von tierischen Zellen oder Bakterienkulturen zur Herstellung von Pharmawirkstoffen. Bereits in der Anwendung ist ein Präparat, das der Reparatur von Knochensubstanz dient, die unter anderem im Zuge einer Krebserkrankung schwinden kann. "Wir pflegen das Material als eine Art Gerüst in der Knochensubstanz ein" , erläutert Sieger den Vorgang. Zuständig für den Vertrieb ist eine Firma in Cambridge, ebenfalls ein Ableger der dortigen Uni, die auf Uetikon als möglicher Lieferant der Wirkstoffe zugekommen ist.

Der Artikel ist erschienen am 5.1.2008
in der Badischen Zeitung, Ausgabe Lahr.
Redakteur: Bruno Kohlmeyer

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